Bestandsdaten für den Bau: Standards für GIS- und Leitungsdaten

Die Themen an unserem Messestand auf der digitalBAU 2026 standen im Zeichen durchgängiger digitaler Prozesse in der Bauwirtschaft mit einem klaren Fokus auf Schnittstellen, offene Standards und konkrete Lösungen aus der Praxis. Gemeinsam mit dem Zentralverband Deutsches Baugewerbe wurde diskutiert, gefragt und zugehört: zu digitalen Lieferscheinen, XRechnung, Bauproduktdaten und der Frage, welche Rolle Künstliche Intelligenz künftig auf der Baustelle spielen wird.

Die Perspektiven waren vielfältig, die Antworten unterschiedlich. Doch eine Erkenntnis zog sich durch alle Gespräche an den drei Tagen: Stillstand ist keine Option, insbesondere dort nicht, wo Bestandsdaten die Grundlage für digitale Prozesse bilden. Ohne strukturierte, standardisierte und interoperabel nutzbare Daten lassen sich Abläufe weder durchgängig abbilden noch verlässlich steuern.

Wie Bestandsdaten so strukturiert werden können, dass sie durchgängig digital nutzbar sind, stand im Mittelpunkt eines Snack-Talks auf der digitalBAU zum Thema „Bestandsdaten: GIS- und Leitungsdaten“ mit Beteiligung von Partnern aus dem Projekt BIMBreitband.

Diskutiert wurde das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven:
• aus Sicht der Baupraxis durch Rolf Scharmann (Augel GmbH)
• aus dem Blickwinkel der Standardisierung durch Dr.-Ing. Kai-Uwe Krause (Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg)
• sowie aus der Perspektive der Softwareentwicklung durch Marcel Stepien (VSK Software GmbH) und Erik Schütz (ITS Geo Solutions GmbH)

Ein zentrales Thema war dabei auch die Frage nach der Qualität und Nutzbarkeit von Bestandsdaten. Gerade im Bereich von Leitungs- und GIS-Daten zeigt sich, wie entscheidend strukturierte und standardisierte Informationen für funktionierende digitale Prozesse sind. Die Praxis zeigt: Gerade bei Leitungs- und GIS-Daten fehlt es häufig an Standards. Die Folge sind Medienbrüche, erhöhter Abstimmungsaufwand und Unsicherheiten in Planung und Ausführung. Die Herausforderung liegt weniger in der Verfügbarkeit von Daten, als in deren interoperabler Nutzung. Unterschiedliche Systeme, proprietäre Formate und heterogene Datenqualitäten erschweren eine durchgängige digitale Weiterverarbeitung erheblich.

Ein zentraler Ansatzpunkt liegt daher in der Standardisierung. Einheitliche Datenmodelle und definierte Schnittstellen sind Voraussetzung, um Bestandsdaten systemübergreifend nutzbar zu machen. Besonders im Zusammenspiel von GIS und BIM zeigt sich der Handlungsbedarf: Während GIS-Systeme die Realität abbilden, bilden BIM-Modelle die Grundlage für Planung und Ausführung. Erst durch eine strukturierte Verknüpfung beider Welten lassen sich durchgängige digitale Workflows realisieren.

Für das Forschungsprojekt BIMBreitband ist dieses Thema zentral. Ziel des Projekts ist es, Planungs- und Genehmigungsprozesse im Breitbandausbau durch den Einsatz von BIM und GIS-Daten zu beschleunigen und zu digitalisieren. Voraussetzung dafür sind konsistente, standardisierte Bestandsdaten, die in modellbasierte Prozesse integriert und automatisiert geprüft werden können.

Die Diskussion hat gezeigt: Standards für GIS- und Leitungsdaten sind kein Selbstzweck, sondern eine zentrale Voraussetzung für die Digitalisierung der Bau- und Infrastrukturbereiche. Sie schaffen die Grundlage für interoperable Prozesse, erhöhen die Datenqualität und ermöglichen eine effizientere Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Der Mitschnitt des Talks ist hier verfügbar: Zum Video